Auf ein Wort: Die ganze Geschichte

Liebe Gemeinde,
bei jeder guten Geschichte ist es selbstverständlich, dass wir sie ganz hören, lesen oder sehen wollen. Ich habe als Kind und Jugendlicher sehr gern und viel Karl May gelesen. Dabei war es mir ganz wichtig, bei zusammenhängenden Romanen alle Bände zu lesen. Und nicht nur alle, sondern auch in der richtigen 
Reihenfolge. Irgendwann bekam ich Band 4 "In den Schluchten des Balkan" geschenkt. Darüber habe ich 
mich gefreut, aber wirklich etwas anfangen mit dem Inhalt des Buches konnte ich erst, als ich die Bände 1-3 
("Durch die Wüste", "Durchs wilde Kurdistan", "Von Bagdad nach Stambul") gelesen hatte und anschließend an Band 4 auch die Bände 5-6 ("Durchs Land der Skipetaren", "Der Schut"). Ich wollte die ganze Geschichte wissen, inkl. der beigefügten Landkarten. Bei J. R. R Tolkiens "Der Herr der Ringe" las ich natürlich auch Band 1 bis 3 nacheinander, wie ich auch die Filme nacheinander ansah (und es manchmal noch tue - dann gern in der Extended Version).

Jede gute und auch jede wichtige Geschichte lebt davon und ist es auch wert, ganz erzählt, gelesen, gehört oder gesehen zu werden. Es ist auch zutiefst unbefriedigend, wenn man eine Szene nicht versteht, weil sie aus dem Zusammenhang gerissen ist, oder wenn man z. B. nicht weiß, wer Frodo ist und 
was ihn antreibt, weil man nur einen relativ kurzen Ausschnitt gesehen hat. Mit der Bibel verhält es sich ähnlich. Jedes Kapitel ist nur eines von 1189 Kapiteln. Jedes biblische Buch ist nur eines von 66 Büchern der Bibel. Selbst die schönsten, spannendsten oder zu Herzen gehendsten Geschichten, Berichte, Psalmen sind nur eine Episode in der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Das gilt auch für die Weihnachtsgeschichte oder Karfreitag oder Ostern. Wenn wir wirklich die ganze Geschichte verstehen und ihre Bedeutung für uns persönlich und unsere Welt erfassen wollen, dann müssen wir die ganze Bibel lesen oder zumindest weite Teile. Nicht nur einmal, sondern immer wieder, regelmäßig, auf verschiedene Art und Weise.

Ich halte drei Arten des Bibellesens für wichtig. Am besten ist, sie nebeneinander zu üben:

  • Bibellesen als "Schnellimbiss" - in Form der täglichen Losungen
  • punktuelles Bibellesen - z. B. eine bestimmte Geschichte oder Aussage
  • flächiges Bibellesen - die Bibel im Zusammenhang lesen, von vorn bis hinten, z. B. täglich ein oder mehrere Kapitel

Alle drei Methoden sind gut. Das flächige Lesen ist mir besonders wichtig, weil ich auf diese Art und Weise die Zusammenhänge mitbekomme und begreife - eben wie bei einem mehrbändigen Roman oder einem mehrteiligen Film. Es ist so wichtig, dass wir die Geschichte Israels kennen, Gottes Verheißungen für dieses Volk, Abraham, David, die Propheten. Wir müssen die Evangelien lesen, die Apostelgeschichte, die Briefe des Apostels Paulus und die der anderen Schreiber, immer wieder lesen, in uns aufnehmen, allein und mit anderen durchdenken, studieren und in unserem Leben umsetzen. 
Der Geist Gottes, der die Schreiber inspiriert hat, wird auch uns verändern, Stück für Stück. Wir merken es vielleicht nicht, aber er durchdringt uns, so wie ein Nebel im Lauf der Zeit alles durchnässt.

Zum Schluss ganz praktisch:

  • Beginnen Sie am besten mit einem Evangelium.
  • Beten Sie jedes Mal, bevor Sie lesen, so oder so ähnlich: 
    "Himmlischer Vater, ich danke dir für dein Wort.
    Ich bitte dich, hilf mir durch deinen Heiligen Geist zu verstehen.
    Sprich du durch dein Wort zu mir und hilf mir, es in meinem Leben umzusetzen.
    Danke, dass dein Wort mich aufbaut, tröstet, ermahnt und stärkt."
  • Erwarten Sie, dass der Gott, der aus Liebe alles für Sie gegeben hat, zu Ihnen spricht.
  • Geben Sie nicht auf, wenn Sie den Eindruck haben überhaupt nichts zu kapieren oder kaum Fortschritte zu machen.
  • Sie werden im Lauf der Zeit den Segen spüren, der von diesem Buch ausgeht.

Ich wünsche Ihnen gute, interessante, lebensverändernde Entdeckungen beim Lesen der Bibel! Und wenn Sie möchten, schreiben Sie mir eine Mail oder rufen mich an und berichten mir von Ihren Erfahrungen.

Ihr Pfarrer
Andreas Strauß