Auf ein Wort

Auf dass es grünt und blüht

Liebe Gemeinde,
viele Menschen haben in Bruckmühl und Feldkirchen-Westerham zu graben begonnen – in vielfacher Hinsicht. Sie haben gegraben und gepflanzt und wir hoffen, dass sie auch weiter graben und pflanzen und dass noch immer mehr Menschen sich anstecken lassen und mit graben und pflanzen. Denn wir hoffen ja alle darauf, dass es schließlich grünt und blüht!
Gegraben haben die Pfarrer, Diakone und Lektoren bei der Vorbereitung und Gestaltung der Predigtreihe zum Vaterunser. Dabei wurde so mancher Schatz unseres Glaubens wieder entdeckt und konnte neu mit Leben gefüllt werden. Aus der Gemeinde kamen sehr viele positive Rückmeldungen und wir fühlen uns ermutigt, wieder mal eine Predigtreihe anzusetzen.

Einen goldenen Schatz entdeckten die Konfirmanden bei der Vorbereitung zu ihrer Konfirmation dann ganz in der Nähe des Vaterunsers, nämlich in der Bergpredigt in Matthäus 7, 12: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!" Wir hoffen, dass die Konfirmanden diese goldene Regel über die Konfirmation hinaus in ihren Herzen tragen und sich daran orientieren. Für unsere Gesellschaft wird es wichtig sein, dass Christen aus dieser Weisheit schöpfen. So mancher Streit ließe sich dadurch entschärfen.

Dass es grünt und blüht, ist ein Wunsch, der viele Menschen bewegt. Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hat im Frühjahr die Gemüter erhitzt. Manche sprachen von einer Spaltung, die durchs Land geht. Zwar ist das Ziel für fast alle unstrittig, nämlich den Reichtum unserer heimischen Pflanzen, Insekten, Vögel und anderer Wildtiere zu bewahren. Unter Druck gesetzt fühlten sich aber viele Landwirte, auf deren Schultern die Debatte in Form von neuen gesetzlichen Vorschriften geführt wurde. 

Der Kirchenvorstand hat sich politisch zurückgehalten und stattdessen seine eigenen Wiesen in den Blick genommen.
Schon im vergangenen Jahr haben die Grüne Schürze Bruckmühl und das Kirchgarten-Team Feldkirchen hier Blumenwiesen stehen lassen und auch weiterhin soll dies so geschehen. Das Pflanzen, Säen und Ernten gehört zum Menschsein dazu. Wie jeder Mensch Lesen und Schreiben lernt, sollte vielleicht auch dies wieder mehr Beachtung finden, ob im eigenen Garten
oder in gemeinschaftlichen Gärten wie an der Schule oder in unseren Kirchgärten. Dass Jugendliche anpacken können
und Lust haben an der Gartenarbeit, bewiesen einige Konfirmanden, die freiwillig zu einer großen Pflanzaktion in Feldkirchen anrückten und neben einem Apfelbaum auch zahlreiche andere Sträucher und Bäume setzten. Der Apfelbaum ist bei dieser Pflanzung natürlich ein ganz besonderes Zeichen, denn er wird, so hoffen wir, auch einmal reichlich Frucht tragen. Und an dieser Frucht soll sich jeder Kirchenbesucher oder Passant erfreuen und einen Apfel pflücken und essen dürfen.

So dürfen wir uns freuen auf einen Sommer, in dem es grünt und blüht, und voller Freude singen, was Paul Gerhard 1653 gedichtet hat:

Geh aus mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe,
wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.

Dazu natürlich auch die Strophe 6:

Die unverdroß'ne Bienenschar fliegt hin und her, sucht hier und da
ihr edle Honigspeise; des süßen Weinstocks starker Saft
bringt täglich neue Stärk und Kraft in seinem schwachen Reise.

Zu sehen, wie alles grünt und blüht, gerade wenn man selbst etwas dafür getan hat, lässt oft das eigene Herz auch erblühen vor Freude. Vielleicht wächst beim einen oder anderen ja der Wunsch danach und er packt auch selbst an, gräbt pflanzt und sät.

Eine segensreiche und blühende Sommerzeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Samuel Fischer